Verantwortungsvoll und nachhaltig investieren: Unsere Sicht

I. Investieren mit Verantwortung - was bedeutet das?

Unter dem Motto „Investieren mit Verantwortung“ (auf Englisch: "Responsible Investing") versteht man eine Anlagestrategie, die ESG-Faktoren in ihren Entscheidungsprozess einbezieht und die im Rahmen ihrer Möglichkeiten andere Finanzmarktteilnehmer dazu bringt, ihre Geschäftspraktiken unter ESG-Gesichtspunkten zu verbessern.

ESG steht für Environmental, Social und Governance Faktoren und müsste im Deutschen daher eigentlich 'USU' heißen, denn es geht um die Themengebiete Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese werden oft unter dem Schlagwort ‚Nachhaltigkeit‘ zusammengefasst, womit ein weiterer Aspekt, der des längerfristigen Horizonts, betont wird.

Grob gesprochen unterscheidet man 3 Arten von Anlagestrategien:

1) ESG-Integration

Bei dieser Strategie wird im Investitionsprozess die traditionelle Analyse der Finanzkennzahlen eines Unternehmens durch eine zusätzliche Analyse von ESG Faktoren ergänzt; d.h. das Analysespektrum wird erweitert, mit dem Ziel Faktoren, zu identifizieren, die potenziell materielle (negative wie positive) Auswirkungen auf das jeweilige Unternehmen haben könnten. Eine Analyse, die solche Faktoren berücksichtigt, könnte daher zu einem anderen Ergebnis für die Renditeerwartung eines Unternehmens kommen als eine traditionelle Analyse. Das Ziel ist ein verbessertes Risikomanagement bzw. die Eröffnung zusätzlicher Quellen um Mehrwert zu schaffen.

2) Sozial verantwortliches Investieren

Im Englischen als "Socially responsible Investing" (abgekürzt "SRI") bekannt, ist dies vermutlich die ursprünglichste Anlagestrategie in diesem Bereich. Durch die Anwendung von Filterkriterien nach ethischen Gesichtspunkten (die sich tendenziell mit ESG Faktoren überschneiden), wird das jeweilige Anlageuniversum durchsucht nach den schlimmsten Verstößen („Negative Screening“) oder der saubersten Weste („Positive Screening“). Dementsprechend werden die schlechtesten Unternehmen ausgeschlossen bzw. die besten mit einer Investition belohnt. Das Ziel ist, mit gutem Gewissen eine Rendite zu erwirtschaften.

3) Wirkungsvoll Investieren

Das neudeutsche Stichwort "Impact Investing" beschreibt die Art von Strategie, die am weitesten von traditionellen Anlagestrategien abweicht. Die Förderung spezifischer gesellschaftlicher oder ökologischer Ziele steht im Vordergrund. Ein gutes Ergebnis wird nicht nur durch die erwirtschaftete Rendite definiert, sondern eher noch durch den positiven Beitrag, den die Investition (und die reinvestierte Rendite) zur Verbesserung von Gesellschaft und Umwelt leistet.

Eine Untergruppe dieser Art Anlagestrategie sind Themen-bezogene Strategien ("Thematic Investing"), die sich nur auf die Förderung bestimmter Themen fokussieren.

Kurz und knapp: Investieren mit Verantwortung heißt Gutes tun durch gutes wirtschaften.

II. Problembehaftete Umsetzung im Bereich Staatsanleihen in Lokalwährung

Die deutsche Übersetzung für ESG - "Umwelt, Soziales und Unternehmensführung" - weist darauf hin, dass es sich um eine Thematik handelt, die in erster Linie Anlagestrategien betrifft, deren Anlageuniversum sich aus Unternehmen zusammensetzt.

Was für Probleme ergeben sich, wenn sich das Anlageuniversum aus Staatsanleihen in Lokalwährung zusammensetzt?

1) ESG-Integration bei Emittenten möglich, bei Währungen eher schwierig

Ansätze für ESG Integration, die sich auf Länder beziehen, haben große Ähnlichkeiten mit der traditionelle Länderrisikoanalyse, die u.a. das Rating eines staatlichen Emittenten bestimmt. Neben den traditionellen volkswirtschaftlichen Indikatoren, zu denen auch Umwelt- und sozio-ökonomische Trends zählen, die mittel und längerfristig einen Einfluss auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ausüben, werden auch politische und institutionelle Aspekte berücksichtigt; denn die Bonität eines Staates wird durch die Fähigkeit und den (politischen) Willen zur Rückzahlung seiner Schulden bestimmt. In diesem Fall steht das "G" von ESG für Institutionen und hat einen besonderen Stellenwert. Tendenziell erzielen Länder mit einem hohen traditionellen Bonitätsrating auch relativ gute Ergebnisse bei ESG-bezogenen Ratings.

ESG-Faktoren unterscheiden sich im Vergleich zu den üblichen volkswirtschaftlichen Faktoren in der Regel durch ihr langsameres Veränderungstempo und weisen eher auf längerfristige Trends hin. Haben staatliche Bonitätsratings in der Regel eine Mindesthaltbarkeitsdauer von 1 Jahr, kann davon ausgegangen werden, dass ESG-Ratings für Länder sich noch seltener ändern. Dies macht es nicht ganz einfach, ESG-Kriterien in einen Investitionsprozess für eine Anlageklasse  zu integrieren, in der die dynamische Veränderung von Währungs- und Zinsrisiken eine weit bedeutendere Rolle spielt als das Emittentenrisiko. Anders ausgedrückt: ESG-Faktoren können auf längere Sicht eine Rolle für die Bewertung von Währungs- und Zinsniveaus spielen. Kurz- und mittelfristig dominieren jedoch andere Faktoren.

2) Ausschlusskriterien für das Anlageuniversum können zu mehr Risiken führen

Es gibt grundsätzlich deutlich weniger Länder als Unternehmen auf dieser Welt, und nicht alle Länder haben Staatsanleihen begeben. Die Entstehung eines heimischen Staatsanleihenmarkts setzt tendenziell einen höheren wirtschaftlichen Entwicklungsstand voraus. Hinzu kommt, dass nicht alle heimischen Staatsanleihenmärkte investierbar sind, aufgrund  mangelnder Liquidität und/oder Zugangsbeschränkungen für ausländische Investoren.

Das globale investierbare Anlageuniversum für Staatsanleihen in Lokalwährung ist mit einer mittleren 2-stelligen Anzahl von Emittenten deutlich überschaubarer als das Anlageuniversum für Unternehmensanleihen. Zwar ist es möglich auch in einem kleineren Universum Filterkriterien anzuwenden, aber die Risikostreuungsmöglichkeiten der Anlagestrategie können dadurch deutlich reduziert werden. Auch könnte ein Filtern nach ethischen Faktoren die Berücksichtung anderer Risikofaktoren schwierig gestalten. Würde man z.B. die USA ausschließen, weil sie aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten ist, würde man damit auch den Zugang zu dem liquidesten Staatsanleihenmarkt weltweit verschließen (und dazu einer, der noch positive Renditeniveaus aufweist).

3) Zweckgebundenes Investieren nur selten möglich bei Staatsanleihen

Wirkungsvolles Investieren bedeutet zweckgebundenes Investieren. Allerdings werden Staatsanleihen in Lokalwährung generell begeben, um den Staatshaushalt zu finanzieren, wenn Einnahmen aus anderen Quellen wie Steuern oder Zölle nicht reichen, um die staatlichen Ausgaben zu decken. Staatliche Ausgaben können zur Finanzierung zukunftsgerichteter Investitionen dienen, aber auch dazu benutzt werden eine überbordende Bürokratie am Laufen zu halten, militärisch aufzurüsten und/oder staatliche Leistungsversprechen einzulösen. Der Zweck ist in der Regel jedoch nicht im Vorhinein bekannt. Es gibt zwar mittlerweile einige Länder, die zweckgebundene Staatsanleihen begeben haben, insbesondere "grüne" Staatsanleihen. Allerdings steckt dieser Markt noch in den Kinderschuhen und die Liquidität solcher Anleihen kann sich nicht unbedingt mit der normaler Staatsanleihen messen.

Für ein Anlageuniversum bestehend aus Staatsanleihen in Lokalwährung erweisen sich die üblichen Anlagestrategien als problembehaftet. Was kann man tun, um trotzdem in dieser Anlageklasse verantwortungsvoll und nachhaltig zu investieren?

III. Die Lösung: Gutes tun durch gute Performance

Wir haben uns für eine Kombination verschiedener Aspekte der oben genannten Strategien entschieden, die aus unserer Sicht die Grundgedanken des verantwortungsvollen und nachhaltigen Investieren in unserer gewählten Anlageklasse reflektieren.

1)  ESG-Integrationansatz für das Rentenportfolio, aber Trennung von Emittent und Währung

ESG-Faktoren können dazu beitragen ein erhöhtes Emittentrisiko für ein Land zu identifizieren; gleichzeitig kann die Analyse anderer Faktoren zu dem Schluss kommen, dass kurz- bis mittelfristig die Landeswährung eine attraktive Investition darstellt. Mittels der Nutzung von Derivaten, können in einem solchen Fall Währungsrisiko und Emittentenrisiko getrennt behandelt werden. Ein Devisentermingeschäft in einer Landeswährung gewährt dem Portfolio ein Engagement in der Währung ohne gleichzeitig die Staatsanleihe kaufen und damit das Emittentenrisiko eingehen zu müssen. Wir integrieren daher bei der Auswahl der Anleihen für das Rentenportfolio verschiedene ESG-Faktoren, bei denen wir einen bestimmten Fokus setzen.

2) ESG-Integration mit Fokus auf ausgesuchten ESG-Zielen

ESG-Ziele, die uns bei MakroWerk persönlich am Herzen liegen, sind:

  1. Kinder - eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen
  2. Frauen - Frauen stärken
  3. Fauna & Flora - Artenvielfalt erhalten
  4. Klima - Klimaschutz und erneuerbare Energien fördern
  5. Ressourcen - Trinkwasser und bebaubares Ackerland schonend und effizient nutzen

Für die Zusammenstellung des Rentenportfolios werden Emittenten bzw. Länder anhand dieser 5 Ziele aus den Bereichen Umwelt (E) und Soziales (S) verglichen, und es wird der Fortschritt zur Erreichung dieser Ziele bewertet. Fairerweise werden nur Länder mit ähnlichem Entwicklungsstand miteinander gemessen, d.h. es wird zwischen Industrieländern (Developed Markets), Schwellenländern (Emerging Markets) und neu aufstrebenden Märkten (Frontier Markets) unterschieden. Länder bzw. Emittenten mit besonders hoher Zielerreichung werden bei der strategischen Allokation wenn möglich stärker berücksichtigt, bei Nachzüglern wird genau geprüft, ob das höhere Emittentenrisiko auch im Währungsrisiko reflektiert werden könnte, und/oder eine mögliche Trennung von Emittenten- und Wähungsrisiko sinnvoll ist.

3) Gute Bonität und längerfristiger Anlagehorizont sind wichtig

Für den Faktor Institutionen (G) richten wir uns nach den offiziellen Bonitätsratings, die in der Regel dem Thema institutionelle Qualität viel Aufmerksamkeit widmen; d.h. gute Bonitätsratings gehen in der Regel mit einer hohen Qualität der jeweiligen Landesinstitutionen einher und umgekehrt. Unsere Anlagephilosophie beinhaltet eine Präferenz für Emittenten mit hoher Bonität mit dem Ziel, das Portfolio-Durchschnittsrating im Investment Grade Bereich zu halten. Neben den Bonitätsratings betrachten wir zusätzlich auch bekannte ESG-Ratings und haben uns für das Rentenportfolio ein ESG-Minimumrating von BBB zum Ziel gesetzt.

Zudem ist eine längerfristige Ausrichtung unserer Investitionen schon immer ein essenzieller Teil unser Anlagephilosophie gewesen. Wir sind dafür bekannt eher früher als später Gewinne mitzunehmen und nicht dem Markt bis zum letzten Höchststand hinterher zu laufen. Dies ermöglicht uns, Liquidität bei einer Marktkorrektur parat zu haben, um günstige Einstiegsniveaus nutzen zu können. Wir machen auch immer wieder Platz im Portfolio für Investitionsideen, die über einige Zeit reifen dürfen. Uns ist es weniger wichtig, "den Markt zu schlagen", als zu jeder Marktphase Treiber im Portfolio zu haben, die die Wertentwicklung vorantreiben. Einige dieser Treiber sind Sprinter, andere laufen Marathon, beides wollen wir in einem wohlaustarierten Portfolio haben.

4) Ausdehnung des Emittentenuniversums auf große Entwicklungsbanken

Internationale Entwicklungsbanken, wie die Weltbank, regionale Entwicklungsbanken wie die ADB, aber auch nationale Entwicklungsbanken, wie die KfW haben die Expertise Projekte weltweit zu fördern, die zur Erreichung der UN Nachhaltigkeitsziele dienen. Mittlerweile begeben diese Entwicklungsbanken oftmals Anleihen in der Landeswährung des jeweiligen Landes, in dem sie Projekte fördern. Auch wenn diese Anleihen nicht unbedingt eine klare Zweckbindung aufweisen, kann bei einer Anleihe, die von einer Entwicklungsbank in der Landeswährung eines Schwellenlandes begeben wurde, mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass mit diesem Geld Entwicklungsprojekte in genau diesem Schwellenland finanziert werden; denn es ist in der Regel der Fall, dass diese Währung nur innerhalb dieses Landes akzeptiert wird. Wir sehen daher eine Investition in eine Entwicklungsbankanleihe als eine Möglichkeit nachhaltig und wirkungsvoll zu investieren, und zwar in Projekte in der Ferne, die wir sonst nicht erreichen könnten.

5) Direkte Förderung unserer ESG-Ziele durch Unterstützung von lokalen Projekten mit mindestens 25% unserer Performance-Fee

Aber auch in unsere Nähe gibt es viele unterstützenswerte Projekte und wir sind der Ansicht, dass mit unseren Mitteln der beste Wirkungsgrad erreicht werden kann, wenn wir in unserer unmittelbaren Umgebung anfangen, verantwortungsvoll zu investieren. Gleichzeitig können wir so auch sicherstellen, dass genau die ESG-Ziele, die uns am Herzen liegen, bedient werden.

Lokale/regionale/bundesweite Organisationen, die unsere ESG-Ziele verfolgen, sind z.B.:

  1. FeM Mädchenhaus Frankfurt (Zuflucht, Beratung, Treff & Empowerment für Mädchen und junge Frauen): www.fem-maedchenhaus.de
  2. Nabu-Waldpatenschaft (deutsche Waldflächen dürfen Urwald werden): www.nabu.de
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Weitere Vorschläge aus dem Kreis der Anleger ziehen wir gerne in Betracht.

Die Kombination dieser fünf Elemente in unserer Anlagestrategie stellt sicher, dass

  • wichtige ESG-Faktoren im Anlageprozess bedacht werden,
  • das Anlageuniversum eine ausreichende Größe behält,
  • Entwicklungsprojekte in der Ferne unterstützt werden, die der Erreichung der UN Nachaltigkeitsziele dienen,
  • fördernswerten Projekten in der Nähe direkt unter die Arme gegriffen wird,
  • wir durch unserer Anlagestrategie und mit der erwirtschafteten Rendite einem positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten.

Wir halten dies für eine gute Lösung für verantwortungsvolles und nachhaltiges Investieren innerhalb unserer gewählten Anlageklasse, wo die Umsetzung der üblichen ESG-Anlagestrategien nicht frei von Problemen wäre.

Gutes tun durch gute Performance!

Bildquelle: Micheile Henderson auf Unsplash